Novizinnen und Novizen im Schreibunterricht (2013-2015)

Schulleistungsstudien zeigen, dass ein Grossteil der Kinder und Jugendlichen nur unzureichende Schreibkompetenzen aufweist. Um den Anteil dieser Schülerinnen und Schüler zu verringern, braucht es einen wirksameren Schreibunterricht: Eine zielführende Veränderung von Unterrichtspraxen ist aber ohne genauere Beschreibung der Voraussetzungen, die Lehrkräfte mitbringen, nur schwer leistbar.

Das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Forschungsprojekt «Novizinnen und Novizen im Schreibunterricht (NoviS)» nahm daher die Expertise von Novizen-Lehrpersonen in der Domäne Schreiben in den Blick. In Teilstudie A wurde bei Primarstufe-Studierenden der PH FHNW im Abschlusssemester das Fachwissen zum eigenen Schreibprozess und zu schreibschwachen Schülerinnen und Schülern erhoben. Zur Erschliessung allfälliger Veränderungen wurde die Befragung nach dem ersten Berufsjahr wiederholt. Es zeigte sich, dass die Lehrkräfte am Ende der Ausbildung über ein eher geringes fachliches und fachdidaktisches Wissen verfügen. Im Verlauf des ersten Berufsjahres veränderte sich das Wissen zum Schreibprozess schwacher Schülerinnen und Schüler nicht, dasjenige zum eigenen Schreibprozess hingegen nahm signifikant ab, was mit dem Rückgang komplexer Schreibaktivitäten nach Studienabschluss zusammenhängen dürfte. Was die Wirksamkeit angeht, so schätzten die Lehrkräfte ihre eigenen Schreibfähigkeiten und ihre Fähigkeit, Schreiben zu unterrichten, positiv ein. Die Einschätzung der Wirksamkeit des eigenen Schreibens stieg während des ersten Berufsjahres noch signifikant an.

In Teilstudie B wurden sieben Lehrkräfte ausgewählt und ihre Unterrichtspraxen im Schreiben untersucht. Bei der Auswertung der Unterrichtsdaten kristallisierte sich unter anderem heraus, dass eingesetzte Techniken oder Strategien – vor allem von den Lehrkräften mit geringem Fachwissen – kaum in den Schreibprozess integriert werden, grosse Unsicherheiten im Umgang mit heterogenen Lerngruppen bestehen und der Fokus stärker auf der Wort- und Satzebene anstatt auf der Textebene bzw. dem Schreibziel liegt.

Projektteam

Publikationen

  • Sturm, Afra; Lindauer, Nadja & Sommer, Tim (2019). Schreibunterricht im Spannungsfeld von schreibbezogenem Wissen und Überzeugungen seitens der Lehrpersonen. In: Carolin Führer & Felician-Michael Führer (Hrsg.), Dissonanzen in der Deutschlehrerbildung. Theoretische, empirische und hochschuldidaktische Perspektiven. Münster: Waxmann, S. 95-110.
  • Sturm, Afra (2016). Beurteilen und Kommentieren von Texten als fachdidaktisches Wissen, Leseräume, 3, S. 115-132.
  • Sturm, Afra; Lindauer, Nadja & Sommer, Tim (2016). «Es fehlen Gefühle und Details in der Geschichte» – Wissen und Überzeugungen von Lehrpersonen in der Domäne Schreiben. leseforum.ch, Nr. 3/2016.
  • Sturm, Afra; Schneider, Hansjakob; Lindauer, Nadja & Sommer, Tim (2016). Schreibbezogenes Fachwissen bei Lehrpersonen im ersten Berufsjahr. In Michael Krelle & Werner Senn (Hrsg.), Qualitäten von Deutschunterricht – Empirische Unterrichtsforschung im Fach Deutsch. Stuttgart: Fillibach bei Klett, S. 139–161.

SNF-Projekt «Unterstützung des Leseverstehens im Fach Geschichte» (2021-2024)

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PgB SWU Forschungsnetzwerk Schulsprachdidaktik | nets21 (2021-2024)

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