Prozesse der Sprachförderung im Kindergarten (2012-2015)

Frühe Sprachförderung im Kindergarten ist ein bildungspolitisch wichtiger Ansatz zum Abbau von Bildungsungleichheit. Für die Wirksamkeit vorschulischer Angebote spielt die Prozessqualität eine Schlüsselrolle.

Hier setzte das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Forschungsprojekt «Prozesse der Sprachförderung im Kindergarten (ProSpiK)» an: Forschungsgegenstand war die Ausgestaltung des sprachlichen Lernangebots durch die Lehrpersonen im Kindergarten. Ausgehend vom Befund, dass Kinder je nach sozialer Herkunft mit der Sprachkultur der Schule unterschiedlich vertraut sind, wurden Formate und Interaktionen untersucht, die es allen Kindern ermöglichen, spezifisch unterrichtssprachliche Fähigkeiten im Kindergarten zu erwerben. In der ersten Projektphase wurde der Kindergartenalltag von acht Klassen während je einer Schulwoche videografisch dokumentiert. Das kommunikative Geschehen wurde in Logbüchern dokumentiert, und ausgewählte Interaktionen wurden als Sinn-Ko-Konstruktionen sequenzanalytisch untersucht. Die gefundenen Formen und Herstellungsmuster wurden fallimmanent und -übergreifend verglichen und zu datenverankerten Konzepten verdichtet.

Zentral für die Teilhabe an schulischen Bildungsprozessen sind kommunikative Formen. In einer Weise gestaltet und vollzogen, die gewährleistet, dass verborgenes Wissen expliziert wird, werden sie les- und lernbar, ermöglichen das gemeinsame Sinnherstellen und fangen dadurch schülerseitige Ungleichheiten auf. Im Fokus stehen dabei unterrichtsöffentliche Kommunikation sowie mündliche Texte: Empirisch identifiziert wurden Aspekte einer sprachförderlichen Herstellung entsprechender Interaktionen. Sie umfassen den Bau von Kreiskonstellationen, den Einsatz multimodaler Stützsysteme, ein sprachsensibles Projekt-Management (i.e. Interaktionen zu initiieren und sie aufrechtzuerhalten) sowie gezielte Erwerbsunterstützung. Ihr Zusammenspiel ist noch ungeklärt und wird derzeit im Folgeprojekt «Gespräche im Kindergarten als Erwerbskontexte sprachlicher Fähigkeiten» näher untersucht (Isler/Künzli/Wiesner, in Vorbereitung).

Projektteam

  • Dieter Isler
  • Esther Wiesner
  • Sybille Künzli Kläger
  • Gabriela Ineichen
  • Hansjakob Schneider

Publikationen

  • Isler, Dieter & Ineichen, Gabriela (2015). «Mündliche Texte» in Alltagsgesprächen erkennen und unterstützen. In: Anja Blechschmidt & Ute Schräpler (Hrsg.). Mündliche und schriftliche Texte in Sprachtherapie und Unterricht (S. 33–46). Basel: Schwabe.
  • Isler, Dieter & Ineichen, Gabriela (2016). Gespräche im Kindergarten – Erwerbskontexte schulisch-bildungssprachlicher Fähigkeiten. In: Ingrid Barkow & Claudia Müller (Hrsg.). Frühe sprachliche und literale Bildung. Sprache lernen und fördern im Kindergarten und zum Schuleintritt (S. 80–96). Tübingen: Narr.
  • Isler, Dieter; Künzli, Sibylle & Wiesner, Esther (2014). Alltagsgespräche im Kindergarten – Gelegenheitsstrukturen für den Erwerb bildungssprachlicher Fähigkeiten. In: Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften, 3, S. 459–479.
  • Isler, Dieter; Wiesner, Esther & Künzli, Sibylle (2016). «Jaaa … beschreiben!» Ein Kreisgespräch im Kindergarten als Erwerbskontext schulischer Formen der Kommunikation, in leseforum.ch, 2016(1), 1-15.
  • Knoblauch, Hubert; Wiesner, Esther; Isler, Dieter & Künzli, Sibylle (2017). Wissen lernen. In: Anja Kraus, Jürgen Budde, Maud Hietzge & Christoph Wulf (Hrsg.). Handbuch Schweigendes Wissen. Erziehung, Bildung, Sozialisation und Lernen (S. 813–825). Weinheim & Basel: Beltz Juventa.
  • Wiesner, Esther & Isler, Dieter (2015). Stand-Punkte beziehen – multimodale Unterstützung des Erwerbs sprachlich-kognitiver Fähigkeiten im Kindergarten. In: Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften, 1, S. 75–91.

Basale Schreibfähigkeiten in Klasse 4 und 5 fördern (2015-2018)

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