Lara Schützsack: Tilda, ich und der geklaute Dracula

Oda ist Einzelkind. Momentan ist das Verhältnis zu ihren Eltern ein bisschen seltsam: Manchmal haben sie überhaupt keine Zeit für ihre Tochter und arbeiten ohne Verschnaufpause. Dann wieder kleben sie ständig an Oda dran und wollen reden. Unbedingt. Sie wollen dann Sachen wissen, die Oda lieber für sich behält. Da ist es gut, dass sie jeweils zu ihrer Freundin Tilda flüchten kann, die wohnt nämlich im gleichen Haus. Bei Tilda daheim geht es mit den vielen Kindern immer drunter und drüber, da wird man nicht dauernd beobachtet. Tilda hat zudem einen Bruder, in den sich Oda ein ganz klein bisschen verguckt hat. Jetzt sind Ferien, da kommt es gerade recht, dass der etwas kurios ausschauende Hund, Dracula, aus dem 3. Stock entführt worden ist. Oda und Tilda machen sich sogleich auf, diesen Hund zu suchen. Viele falsche Fährten verfolgen die beiden und manchmal wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Aber ganz am Schluss, da kommen sie dem Geheimnis dieser Entführung schliesslich doch noch auf die Spur und beste Freundinnen, das wollen sie bleiben, bis in alle Ewigkeit.
Oda erzählt diese Freundschaftsgeschichte aus ihrer Perspektive und lässt Lesende ganz nah daran teilnehmen – sowohl an der spannenden Handlung als auch an ihrem momentan ziemlich grossen Gefühlsdurcheinander. Sie ist 10 Jahre alt und gerade im Begriff, sich von ihren Eltern zu distanzieren. Aber eben nur manchmal. Es gibt Situationen, da sehnt sie sich nach Nähe und danach, wieder ein kleines Kind sein zu dürfen. Wenn sie sich mit Tilda streitet beispielsweise oder, wenn sie von Tildas Bruder wie Luft behandelt wird. In einer wunderbaren Sprache, mit vielen passenden Metaphern, hat Lara Schützsack diese divergierenden Stimmungen der Protagonistin mit dem spannenden Plot verknüpft. Die Lektüre sei Mädchen (und vielleicht auch deren Eltern) ab etwa 10 Jahren wärmstens empfohlen.

Lara Schützsack: Tilda, ich und der geklaute Dracula. Sauerländer 2019. ISBN: 978-3-7373-5650-3

Rezension: Maria Riss

Stephanie Schneider / Astrid Henn: Das endlos lange Weihnachtswarten

link to article

Wolfram Hänel: Wie der Weihnachtsmann beinahe Weihnachten verpasste

link to article
Zurück zur Übersicht