Illettrismus und neue Technologien (2006-2009)

Das Projekt «Illettrismus und neue Technologien» fragte nach neuen Möglichkeiten der Lese- und Schreibförderung für Erwachsene, die sich aus den heutigen Möglichkeiten der Information und der Kommunikation ergeben. Die auf einer Online-Plattform zugänglichen Kurse basieren auf der Amalgamierung von Lerneinheiten zu Lesen und Schreiben mit einem Kurs, der in die Verwendung der neuen Technologien einführt. Die Umsetzung fand in der betrieblichen (Weiterbildungsverbund Aprentas) sowie in der freiwilligen Weiterbildung (Volkshochschule beider Basel) statt.

Bei den Teilnehmenden zeigte sich ein deutlicher Zuwachs bei der Lesekompetenz, konkret beim Leseverstehen auf Satzebene (Verstehen einzelner, unverbundener Sätze) wie auch bei der Verarbeitung zusammenhängender Texte. Dies geht mit höheren Leseaktivitäten in Freizeit und Beruf nach Kursende einher, vor allem das digitale Lesen erfährt eine starke Zuwendung.
Mithilfe einer semi-experimentellen Schreibaufgabe wurde zudem der Schreibprozess von sechs Fallpaaren untersucht. Dort zeigte sich, dass eine starke Fokussierung auf hierarchieniedrige Prozesse oder ein allzu kleinschrittiges Vorgehen für eine erfolgreiche Lösung der Aufgabe hinderlich sind. Da die Selbstwirksamkeit im Bereich Schreiben zudem mit der Selbstwirksamkeit in den Bereichen Lesen, Computer und Beruf korreliert, bietet ein Schreibunterricht, der die Selbstwirksamkeit einbezieht, gute Ansatzpunkte, zumal viele Teilnehmende über negative schulische Schreiberfahrungen berichteten.
Das in der Westschweiz realisierte Teilprojekt verfolgte eine andere Spur. Hier wurden durch die Association Lire et Écrire Suisse romande über 300 Programme sowie Lehr- und Lernmaterialien zur Alphabetisierung und Grundbildung evaluiert und über 170 Adressen von Institutionen in der frankophonen Welt aufgelistet und in einer Datenbank zugänglich gemacht. Zudem wurden Kursleitende als Multiplikatorinnen für die Einführung von ICT in den Sektionen ausgebildet.

Projektteam

  • Andrea Bertschi-Kaufmann, Gesamtprojektleiterin
  • Armin Hollenstein, Gesamtprojektleiter
  • Afra Sturm, Leiterin des Teilprojekts Forschung
  • Thomas Sommer, Leiter des Teilprojekts Entwicklung
  • Robert Hilbe, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
  • Martin Studer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Désirée Fahrni, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
  • Marcel Zürcher

Publikationen

  • Sommer, Thomas (2010). Illettrismus und neue Technologien. In: Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 6, S. 12-19.
  • Sommer, Thomas; Sturm, Afra; Hilbe, Robert (2009). Illettrismus und neue Technologien – Schriftlernen in der Nachholbildung. Projektbericht. Pädagogische Hochschule FHNW /Universität Bern.
  • Sturm, Afra (2006). Illettrismus und neue Technologien – Schriftlernen in der Nachholbildung. In: Leseforum Bulletin 15. S. 42–46.
  • Sturm, Afra (Hrsg.) (2010). Literales Lernen von Erwachsenen im Kontext neuer Technologien. Münster: Waxmann.
  • Sturm, Afra (2012). Wenn Lesen und Schreiben alles andere als selbstverständlich sind. In: Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik. 5, S. 5–10.
  • Sturm, Afra (2012). «Hauptsache, du schreibst!». In: Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik. 5, S. 25–30.
  • Sturm, Afra; Hollenstein, Armin; Hilbe, Robert (2009). Literale Grundkompetenzen und Medien in der Erwachsenenbildung. Ergebnisse des Projekts «Illettrismus und neue Technologien». In: Bertschi-Kaufmann, Andrea; Rosebrock, Cornelia (Hrsg.). Literalität. Bildungsaufgabe und Forschungsfeld. Weinheim und München: Juventa, 2009, S. 233-246.
  • Sturm, Afra und Sommer, Thomas (2008): Illettrismus, Basiskompetenzen und Training – Leistungstests richtig einsetzen. In: Weiterbildung. S. 11–14.

Basale Schreibfähigkeiten in Klasse 4 und 5 fördern (2015-2018)

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