Truus Matti: Apfelsinen für Mister Orange

Die Geschichte spielt gegen Ende des 2. Weltkriegs in New York. Linus hat es als mittleres Kind einer vielköpfigen Familie nicht leicht. Nebst der Kleidung seiner älteren Brüder hat er nun auch die Arbeit als Kurier im Gemischtwarenladen seiner Eltern geerbt. Dennoch ist Linus stolz darauf, nun zu den Grossen zu gehören und Verantwortung zu übernehmen. Fast so stolz, wie auf seinen ältesten Bruder Apke, welcher sich freiwillig gemeldet hat, um in Europa gegen die Nazis zu kämpfen. Die anfängliche Euphorie, welche Linus so wie viele andere in New York empfunden hat, schlägt jedoch bald in Furcht und Sorge um, als er unerlaubterweise Passagen aus Apkes Brief liest, in welcher dieser die Realität an der Front schildert. Zum Glück gibt es Mister Orange, diesen Künstler mit dem schwierigen Namen, dem Linus regelmässig Apfelsinen liefern muss. Mit ihm kann Linus über alles reden: über Kunst, den Krieg sowie die Zukunft. Mister Orange geht auf die Fragen und Gedanken des jungen Laufburschen ein und bringt ihm die Wertschätzung entgegen, welche er anderswo nicht erhält. Als sein Bruder Apke aufgrund einer Erkrankung frühzeitig von der Front nach Hause geschickt wird, muss Linus erfahren, dass sich seine beiden liebsten Menschen Apke und Mister Orange niemals treffen werden, denn der Künstler ist unterdessen seiner Krankheit erlegen. Linus will aber unbedingt das letzte Kunstwerk von Mister Orange sehen, so viel haben die beiden darüber gesprochen. Darum besucht er einige Zeit später eine Ausstellung im «Museum of Modern Arts». Als er dort vor dem Bild steht, ist er tief berührt und beginnt einen Boogie Woogie zu tanzen. Genau so, wie Mister Orange es ihm beigebracht hatte.
Die Familie von Linus nimmt kaum Notiz von ihm. Linus hat aber dank Mister Orange einen Erwachsenen gefunden, der ihm zuhört, ihn wertschätzt und ihm auch Einblick in neue Sichtweisen ermöglicht. Die Autorin hat es geschafft, ein rabenschwarzes Kapitel der Weltgeschichte auf sehr feinfühlige und kindgerechte Art und Weise aufzugreifen. Der Erzählstil von Truus Matti schlägt einen Bogen zur Kunstthematik des Buches. Sie malt uns die Lebenswelt von Linus mit Worten, so dass sich Leserinnen und Leser sehr gut in den Protagonisten einfühlen können. Im letzten Kapitel des Buches wird auf einige Hintergrundaspekte der Erzählung eingegangen wird. So erfährt man, dass es sich bei Mister Orange um den Maler Piet Mondrian handelt. Dieses in jeder Beziehung schön gestaltete und sehr eindrückliche Buch eignet sich für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Truus Matti: Apfelsinen für Mister Orange. Aus dem Niederländischen von Verena Kiefer. Gerstenberg 2013. ISBN: 978-3-8369-5457-0

Rezension: Jeannine Hirt

 

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