Iben Akerlie: Lars, mein Freund

Amanda schwärmt für Adam, doch auch nach den Sommerferien will dieser besonders hübsche Junge nichts von ihr wissen. Gleich am ersten Schultag wird allen Schülerinnen und Schülern der Klasse ein jüngeres Patenkind zugeteilt. Amanda kann es kaum glauben, aber sie soll sich künftig ausgerechnet um Lars kümmern, einen Jungen mit Down-Syndrom. Amanda ist frustriert und hat Angst, dennoch lässt sie sich auf die neue Herausforderung ein und hilft Lars, so gut sie kann. Bald entwickelt sich zwischen den beiden eine spezielle Freundschaft. Kurze Zeit später entdeckt Amanda, dass Lars von zwei Mitschülerinnen in einem Blog gemobbt wird. So gerät sie zwischen die Fronten. Amanda hat Lars inzwischen richtig lieb gewonnen, will aber in der Klasse weiterhin dazugehören. Damit sie bei ihren Mitschülerinnen beliebt bleibt, gibt sie Fotos von Lars weiter, die ihn blossstellen. Kaum hat sie es getan, bereut sie ihre Tat, doch es hilft nichts. Die Situation eskaliert: Amanda verliert Lars als Patenkind und als Freund, aber auch ihre Mitschülerinnen wollen nichts mehr von ihr wissen. Amanda entschuldigt sich und schämt sich für ihren Verrat, aber alles nützt nichts. Nur mit einem wirklich grossen und spektakulären Plan kann sie nicht nur Lars, sondern auch ihre ehemaligen Freundinnen wieder für sich gewinnen. Und Amanda hat dafür eine wirklich tolle, vielleicht etwas verrückte Idee.
Die Hauptakteurin Amanda ist nicht perfekt und gerade deshalb auch so sympathisch. In der Ich-Perspektive erzählt, zieht die Geschichte Leserinnen und Leser in ihren Bann. Das Buch zeigt auf, wie schnell man selbst zur Mobberin werden kann und wie schwierig es manchmal ist, loyal zu bleiben. Und es bietet zum Schluss eine überraschende Wendung, in der Amanda über sich selbst hinauswächst. Die Verknüpfung von Themen wie der ersten Liebe, Freundschaft, Inklusion und Mobbing im Schulalltag sind schwierige Themen, die die Autorin hervorragend zu verbinden versteht. Die Geschichte ist berührend, aber an keiner Stelle moralinsauer oder gar sentimental. Geschickt werden zudem in den Dialogen Sachinformationen zum Down-Syndrom vermittelt. Nicht ohne Grund wurde die norwegische Original-Ausgabe von 10 000 Kindern zum besten Kinderbuch des Jahres gewählt. Die klare Gliederung in Kapitel und die recht grosse Schrift erleichtern das Lesen. Damit ist das Buch sowohl zum eigenständigen Lesen als auch zum Vorlesen für Kinder der 5. und 6. Klasse geeignet.

Iben Akerlie: Lars, mein Freund. Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. dtv, Reihe Hanser 2018. ISBN: 978-3-423-64039-8

Rezension: Almut Hansen

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