Dave Cousins: 15 kopflose Tage

tageLaurence ist 15 Jahre alt. Er lebt zusammen mit seiner alkoholkranken Mutter und dem sechsjährigen Bruder Jay in einer Sozialwohnung am Stadtrand. Und dann ist eines Morgens Mum einfach nicht mehr da. Das ist erstmal nicht gar so schlimm, das gab es schon öfters. Laurence macht Frühstück für seinen Bruder und bringt ihn anschliessend zur Schule. Natürlich kommt er selber dafür zu spät. Aber was soll’s, einen Eintrag mehr im Klassenbuch! Aber am Abend ist Mum immer noch nicht da, auch am kommenden Morgen nicht. Laurence muss das alles alleine schaffen, obwohl kein Cent mehr auffindbar ist. Nur leere Flaschen, überall in der Wohnung. Aber Laurence glaubt an seine grosse Chance: Jeden Abend schleicht er sich zur Telefonzelle und ruft punkt acht beim Radio an. Da spielt er in einer Quiz-Sendung mit. Jeden Abend kommt er eine Runde weiter. Er will um alles in der Welt am 15. Tag den Hauptpreis gewinnen: 2 Wochen Urlaub in einem Hotel der Extra-Klasse. Laurence ist überzeugt, dass er damit seine Familie retten wird. Und so kämpft er weiter, bringt sich und seinen kleinen Bruder irgendwie über die Tage, spielt Runde um Runde weiter. Und dann, nach gut zwei Wochen findet er seine Mum endlich wieder. Sie hatte sich versteckt, wollte einfach vergessen, hat aufgegeben. Und so gibt es zum Schluss die Hoffnung, dass Mama den Entzug schaffen wird, dass alles wirklich gut kommen kann. Es war nicht der gewonnene Hauptpreis, der die Wendung brachte. Es war Laurence mit seinem unbändigen Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen, seine Fürsorge für den kleinen Bruder, seine Glaube daran, dass Mum ihre Kinder nicht einfach im Stich lassen wird.

Laurence hat wahrlich eine Menge Probleme, aber Laurence ist kein Looser. Es ist schlicht beeindruckend, berührend auch, nachzulesen, wie er seinen kleinen Bruder umsorgt und beschützt, wie er auf die verrücktesten Ideen kommt, um irgendwie an Geld zu kommen, wie er neugierige Nachbarn und die Sozialarbeiterin überlistet und wie er die Kraft aufbringt, jeden Abend all die Fragen am Telefon richtig zu beantworten. Aber Laurence ist kein Superheld und zwischendurch gibt es beim Lesen auch immer wieder Stellen, an denen man lachen kann. Als Laurence sich beispielsweise als seine Mutter verkleidet, um an sein Sparbuchgeld zu kommen. Dave Cousins hat kein Problembuch im herkömmlichen Sinn geschrieben. Er hat es fertiggebracht, einen sehr authentisch wirkenden, spannenden und unterhaltsamen Roman zu schreiben, den viele Jugendliche mit Sicherheit gerne lesen werden.

Dave Cousins: 15 kopflose Tage. Verlag Freies Geistesleben 2015. ISBN: 978-3-7725-2778-4

Rezension: Maria Riss

 

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