Buch des Monats September 2021

Ulrich Hub: Lahme Ente, blindes Huhn
Eines Tages stolpert ein blindes Huhn ins sichere Gehege einer lahmen Ente. Blindes Huhn will unbedingt Abenteuer erleben, will da hinwandern, wo alle Wünsche in Erfüllung gehen. Lahme Ente wäre da eine ideale Reisebegleitung, weil blindes Huhn ja eine Art Blindenhund braucht. Lahme Ente ist überhaupt nicht begeistert, ihr sicheres Zuhause zu verlassen, lässt sich aber schliesslich doch überreden. Wünsche sind wichtig, auch wenn es nur diejenigen eines blinden Huhns sind. So machen sich die beiden auf den Weg. Am Anfang geht alles gut, aber je weiter sie kommen, umso gefährlicher wird diese Wanderung und umso anstrengender auch. Natürlich geraten sie immer wieder in Streit, aber das Versöhnen danach ist umso schöner. Beide verändern sich auf dieser waghalsigen Reise: Lahme Ente wird mutiger und lernt von Huhn sogar das Tanzen. Blindes Huhn entdeckt, dass nachdenken und ausruhen manchmal wichtig ist und dass sich dabei Wünsche auch verändern können. Beide spüren, wie lieb sie sich gegenseitig werden und dass sie richtig gute Freunde geworden sind. Ja, und ganz zum Schluss, da kommt es zum Eklat: Lahme Ente hat blindes Huhn nämlich die ganze Zeit an der Nase herumgeführt. Die beiden haben das sichere Gehege niemals verlassen, sind im Kreis gewandert und haben doch so unsagbar viel erlebt und gelernt.
Leserinnen und Leser gehen, genauso wie das blinde Huhn, der Ente auf den Leim. Aus diesem Grund ist das Buch überaus spannend, man hat gemeinsam mit dem blinden Huhn Angst vor der tiefen Schlucht oder hat Mitleid mit der Ente, weil sie schon so müde ist und mit ihrem lahmen Bein kaum den Berg hinaufkommt. Natürlich erinnert der Plot an die berühmte Geschichte von Janosch über Panama. Diesmal allerdings sind Lesende nicht klüger als das blinde Huhn und lassen sich von der lahmen Ente genauso zum Narren halten. Einmal mehr hat Ulrich Hub ein tiefsinniges, amüsantes und auch spannendes Buch geschrieben. In diesem Fall eine Art Parabel über all das, was im Leben wirklich wichtig ist. Jörg Mühle hat diese kluge, sinnige Geschichte einmalig passend illustriert. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen für Kinder ab etwa 7 Jahren. Zum Selberlesen ab 8 J.

Ulrich Hub: Lahme Ente, blindes Huhn. Mit Bildern von Jörg Mühle. Carlsen 2021. ISBN: 978-3-551-55810-7 (96 S.)

Rezension: Maria Riss

Constanze von Kitzig: Ich bin anders als du – Ich bin wie du: Das grosse Bilderbuch zum Vor- und Mitlesen

link to article
Zurück zur Übersicht