Buch des Monats Dezember 2020

Andreas Steinhöfel: Rico Oskar und das Mistverständnis

Der geheime Spielplatz, wo sich Rico, Oskar und all ihre Freunde immer treffen, soll überbaut werden. Die alte Besitzerin des kostbaren Grundstücks mitten in Berlin lässt sich zum Verkauf überreden. Alle sind sich einig, da hat ein Schurke die Hände im Spiel, der die alte Dame belügt und sich damit bereichern will. Es ist Zeit zu handeln, dieser fiese Gauner muss entlarvt werden. Aber Rico und Oskar, die bisher unzertrennlichen Freunde, haben zum ersten Mal richtigen Streit miteinander. Dies hat mit Sarah zu tun. In die hat sich Rico nämlich verliebt, bis über beide Ohren. Oskar hat grosse Mühe damit. Er hat Angst, Rico zu verlieren, für ihn nicht mehr wichtig zu sein. Er ist so eifersüchtig auf diese Sarah, dass er richtig gemeine Sachen macht. So kommt es, dass Rico und Oskar nicht mehr miteinander reden. Der verzwickte Fall um das Grundstück, lässt sich aber nur gemeinsam lösen – und das wissen eigentlich beide. Ihre Freunde vom Spielplatz tun alles, um die beiden wieder zu versöhnen. Am Schluss des Buches sind alle klüger. Sie haben den Fall gelöst, den Verkauf verhindert und eine ganze Menge darüber gelernt, was gute Freundschaft eigentlich ausmacht.

Einmal mehr hat Andreas Steinhöfel ein grandioses Buch geschrieben. Klug und witzig ist die Geschichte, voller Wärme und Spannung. Es geht um Liebe, um Freundschaft und um den respektvollen Umgang miteinander. Andreas Steinhöfel zeichnet seine Figuren so genau, dass man beim Lesen sogar wirklich fiese Typen irgendwie mag oder zumindest ihre Handlungsweisen verstehen kann. Rico erzählt das Geschehen auch in diesem Band aus seiner Sicht. Weil sich die beiden Freunde aber streiten und trennen, nutzt der Autor für die Erlebnisse und Gedanken von Oskar eine separate Erzählschiene. (Er lässt Rico die Abenteuer von Oskar im Duktus und Stil von Hedwig Courths-Mahler erzählen. Rico hat bei der alten Nachbarin Frau Dahling diese alten Liebesgeschichten entdeckt und verschlungen). Der Autor fordert damit heraus, macht die Lektüre aber zu einem grossartigen Erlebnis auch in Bezug auf verschiedene Schreibstile. Ja, das Buch ist anspruchsvoll, aber Andreas Steinhöfel findet dazu in einem Interview, dass sich ein Kind eher strecken statt ducken soll. Er schreibe keine Gebrauchsliteratur für Kinder, die ab und zu mal ein Buch lesen. «Das klingt grausam, aber ich schreibe für lesende Kinder.» Und solch lesende Kinder, oder erwachsene Vorlesende, das wünscht man diesem vielschichtigen, weisen Buch ganz viele. Auch, weil die Lektüre schlicht so gute Laune macht. Für Kinder ab etwa 11 Jahren genauso wie für Erwachsene.

Andreas Steinhöfel: Rico Oskar und das Mistverständnis. Mit Illustrationen von Peter Schössow. Carlsen 2020. ISBN: 978-3-551-55783-4

Rezension: Maria Riss

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