Frida Nilsson: Sommer mit Krähe

Ebba, ein 8-jähriges, ziemlich unerschrockenes Mädchen, und Krähe sind dicke Freunde. Ja, allerbeste Freunde sogar. Eines Tages beschliessen sie, Tramper-Sommerferien zu machen. Es soll aber keineswegs ein zielloses Herumreisen werden, im Gegenteil, Ebba und Krähe haben einen genauen Plan: Die zwei wollen Krähes Eltern finden – irgendwo an der Norwegisch-Schwedischen Grenze. Und dazu müssen sie durch die Wälder Värmlands trampen. Krähe ist nämlich als kleines Küken verlorengegangen und hat seither seine Eltern nicht mehr gesehen. Das Einzige, was ihm geblieben ist, ist ein Foto mit ihm und seinen Eltern – aufgenommen irgendwo an dieser leidig langen Grenze. Also hinterlässt Ebba ihren Eltern kurzerhand eine kleine Notiz auf dem Küchentisch und auf geht’s ins Abenteuer. Auf ihrer ersten Strecke nimmt ein netter LKW-Fahrer die beiden mit. Blöd nur, dass die zwei vergessen, den Fahrer zu fragen, wo er eigentlich hinfährt. Als sie dies realisieren, ist es bereits zu spät: Die Fahrt geht nach Frankfurt, Deutschland. Nonstop! Zum Glück lässt der Fahrer die zwei dann doch aussteigen, irgendwo im nirgendwo. Ähnlich und noch viel abenteuerlicher geht es von da an weiter: Zum Beispiel als blinde Passagiere in einem Laderaum, mit einem sportlichen Franzosen per Fahrraddraisine, mit einem ausgeliehenen Floss oder im Tourbus einer erfolglosen Band. Während ihrer Reise, die sie ganz ohne Geld angetreten sind, müssen sie immer wieder kreative Lösungen finden, um an Essen, Übernachtungsmöglichkeiten und Mitfahrgelegenheiten zu gelangen. Mitunter ist die Reise anstrengend, zermürbend und auch durchaus gefährlich: Beide kommen einmal nur knapp mit dem Leben davon. Zu guter Letzt kommen Ebba und Krähe an ihr Ziel, wie und wo sei hier aber noch nicht verraten.
Frida Nilsson ist eine humorvolle und spannende Roadtrip-Geschichte gelungen, die sich um die Suche nach den eigenen Wurzeln und um eine besondere Freundschaft dreht. Die Gedanken und Gespräche der beiden Hauptfiguren verleihen der  Geschichte eine ansprechende Tiefe, ohne irgendwo schwer oder bemüht zu wirken. Dies hat wohl auch mit der wunderbar gestalteten Sprache zu tun, die einem die Geschichte lebhaft vor dem inneren Auge entstehen lässt. Die sparsam verteilten comichaften Illustrationen von Anke Kuhl ergänzen die Geschichte auf gewohnt witzige Weise.
Dieses Buch eignet sich wunderbar zum Vorlesen ab ca. 7 Jahren, zum Selberlesen ab ca. 8 Jahren.

Frida Nilsson: Sommer mit Krähe. Mit Bildern von Anke Kuhl. Gerstenberg 2022. ISBN: 978-3-8369-6146-2

Rezension: Sara Grunauer

Zurück zur Übersicht