ENTWURF

Ein WERKRAUM für Basel

Die Industrie, welche im 19. Jahrhundert am Rande von Basel angesiedelt wurde, ist inzwischen längst Teil des städtischen Gewebes. In diesen Gebieten befinden sich nebst den grossen Industriebetrieben auch viele handwerkliche und gewerbliche Betriebe, oft in direkter Nachbarschaft zu Wohnquartieren. In den letzten Jahren haben sich zudem in den leerstehenden Industriebauten auch viele Zwischennutzungen und Kreativwirtschaft angesiedelt.

Durch den aktuellen Bedarf an zusätzlichem Wohnraum und dem daraus resultierenden Entwicklungsdruck werden nebst der Industrie zunehmend auch viele Handwerksbetriebe und Kleingewerbe aus der Stadt verdrängt. Eine Vielzahl an Stadtentwicklungsprojekten beschleunigt diesen Prozess. Zu diesen Entwicklungsprojekten zählen Planungen auf dem Klybeckareal in Kleinbasel und auf der Grossbasler Seite Gebiete auf dem Dreispitz, im Lysbüchel und entlang der Binningerstrasse in Allschwil.

Mit der Verdrängung von handwerklichen und gewerblichen Betrieben geht jedoch auch ein wichtiger Teil der Identität dieser Quartiere verloren. In diesem Semester untersuchen wir, wie wir dieser Entwicklung entgegenwirken können. Es gilt einen Teil des Gewerbes im Quartier zu erhalten und gleichzeitig einen neuen Bezugsort für die Quartierbevölkerung zu schaffen.

Handwerk gestern, heute und morgen

Aufgrund seiner Lage an der damals wie heute wichtigen Handelsroute entlang des Rheins von Rotterdam bis nach Genua entwickelte sich Basel zur fortschrittlichen Handelsstadt. Um 1900 galt Basel als die grösste Fabrikstadt der Schweiz, über welche ein Grossteil der Versorgung mit Alltagsgütern geleistet wurde. Heute gilt Basel als Zentrum der Life Sciences und der chemisch-pharmazeutischen Industrie und verfügt über bedeutende Unternehmen in der Logistik- und Transportindustrie.

Ein gutes Jahrhundert später stehen wir erneut vor einem grossen gesellschaftlichen Wandel. Unsere Primärbedürfnisse sind in der westlichen Welt ausreichend gedeckt, Automation und Digitalisierung schreiten weiter voran und es stellt sich die Frage, was für eine Gesellschaft wir in Zukunft gestalten möchten, um den Anforderungen des Klimawandels und einer sich stark wandelnden Arbeitswelt gerecht zu werden. Kommt nach dem Zeitalter der Erwerbsarbeit nun endlich das Zeitalter der Kultur?

Trotz digitaler Fertigung erlebt traditionelles Handwerk in jüngerer Vergangenheit eine wiederkehrende Wertschätzung. Obwohl viele der klassischen Manufakturbetriebe vom Aussterben bedroht sind und gegen die Konkurrenz der günstigen Massenproduktionsbetriebe ankämpfen, gibt es immer wieder kleine Handwerksbetriebe, die sich mit ihren Produkten am Markt durchsetzen und positionieren können. Zudem wächst auf Kundenseite das Bedürfnis nach nachhaltigen Produkten sowie guter Qualität und Ausführung. Die Seite der Hersteller wird geprägt von Stolz auf die lange Tradition und das überlieferte Wissen um das jeweilige Handwerk. Für unsere Gesellschaft ist das Weiterbestehen und Fortleben durch die Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten daher eine unabdingbare Grundlage.

WERKRAUM Produktion & Austausch im Quartier

Die einzelnen Quartiere mit ihren jeweiligen Gewerbegebieten erzählen je eine eigene Entstehungsgeschichte. Durch ein besseres Verständnis der Entwicklung eines Ortes, soll eine geeignete Ergänzung in Form einer handwerklichen Tätigkeit als identitätsstiftende Nutzung für das umliegende Quartier gefunden werden. Ein differenziertes Angebot an Werkstätten – kombiniert mit Ausstellungsräumen und einem gastronomischen Angebot – soll sowohl die Weiterführung eines professionellen gewerblichen Handwerksbetriebs ermöglichen wie auch ein Angebot für die Quartiersbevölkerung schaffen. Der jeweilige WERKRAUM soll ein Ort für Produktion, Ausbildung und Austausch werden und so einen Bezugspunkt im Quartier bilden.

Das zweite Leben einer Rampe

Im Frühling 2021 wurde unter Mitarbeit der Architekturstudierenden im Rahmen der Ausstellung ‘Access for All – Architektonische Infrastrukturbauten’ eine urbane Installation für das Schweizerische Architekturmuseum S AM in Basel entwickelt und gebaut. Die geschosshohe Rampe aus Holz ermöglichte den direkten Zugang in die Räume des Architekurmuseum und kommunizierte den Fokus der Ausstellung gegen Aussen. Diese Rampe wurde nach Ende der Ausstellung abgebaut und zwischengelagert und soll nun im kommenden Frühjahrsemester zu neuem Leben erwachen. Unter dem Thema der Wiederverwendung von Bauteilen haben die Studierenden verschiedene Projektideen für einen Aufenthaltsort auf dem Campus der FHNW in Muttenz entwickelt. Diesen Frühling wird nun eine dieser Ideen gemeinsam weiterentwicklet und aus dem vorhandenen Material gebaut. Die begehbare Struktur soll zum Treffpunkt und als vor Sonne und Wind geschützter Aufenthaltsort im Freien dienen und für Hochschule und Quartier frei zugänglich sein.

 

Arbeitsalltag im Atelierhaus Sitterwerk Photo © Katalin Deér, Stiftung Sitterwerk
Röhrenfabrikation und Apparatebau ARFA Archiv Christoph Merian Stiftung