ENTWURF

Eine Schwimmhalle fürs Kleinbasel

In der Aufklärung setzt sich die Erkenntnis durch, dass körperliche Bewegung und Hygiene der Gesundheit förderlich sind. In der Folge erlebt das Baden einen Aufschwung und es entstehen sogenannte ‹Badplätze›, städtische Badeeinrichtungen an Seen oder Flüssen. Im 19. Jahrhundert nimmt das Baden mit der Entstehung des Turn- und Schwimmunterrichts und der darauffolgenden Entwicklung einer Körperkultur einen stetig wachsenden Stellenwert innerhalb der Gesellschaft ein. Aufgrund der steigenden Nachfrage avanciert der kulturell immer bedeutsamere Bäderbau zu einer repräsentativen Bauaufgabe in unterschiedlichen Stilrichtungen. Die wachsende Stadtbevölkerung am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert bewirkt einen regelrechten Bäderboom, welcher in der Errichtung der ersten Volksbäder im ‹Internationalen Stil› gipfelt. Heute werden Schwimmbäder von allen gesellschaftlichen und demographischen Schichten nachgefragt und haben somit eine grosse öffentliche Wirksamkeit zur Folge. Gleichzeitig stellen gesellschaftlich und wirtschaftlich bedingte Veränderungen unsere Innenstädte vor neue Herausforderungen. Es müssen daher Nutzungen gefunden werden, welche die Stadtbevölkerung auch in Zukunft in die Innenstadt zieht. In der Pandemie hat sich gezeigt, dass dies vor allem Aktivitäten sind, denen wir nicht ebenso zu Hause nachgehen können – wie beispielsweise das Schwimmen. Die Clarastrasse und ihre Fortsetzung in Greifengasse und Mittlere Brücke ist die Haupterschliessungsachse der beiden Altstadtkerne Gross- und Kleinbasels. Insbesondere der Fussgänger-, Velo- und Langsamverkehr, zusammen mit einem dichten Bus- und Tramverkehr, beherrschen das Strassenbild. Der Claraplatz bildet dabei einen Mittelpunkt in der Kleinbasler Altstadt und ist durch ein hohes Mass an sozialer Durchmischung, architektonischer Heterogenität und umtriebiger Ladensituationen auf Erdgeschossniveau geprägt.

Grosse Strukturen

Die Gebäudetypologie der Schwimmhalle zeichnet sich in der Regel über eine Struktur mit grossen Spannweiten und hohen statischen Anforderun- gen aus. Wir befassen uns daher in diesem Semester mit innerstädtischen Grossstrukturen, deren Nutzungsanforderungen einem gesellschaftlichen Wandel unterliegen und somit weitergedacht und -entwickelt werden müssen, um sie auch in Zukunft zu erhalten. Die Implementierung einer neuen Nutzung in Form einer Schwimmhalle in eine bestehende räumliche Struktur soll so Orte des Aufenthalts und einer gemeinsamen Identität für die Basler Bevölkerung schaffen. Als tragfähig haben sich Konzepte erwiesen, bei denen Überschneidungen zwischen verschiedenen Nutzungen entstehen. So soll nicht nur eine Schwimmhalle entworfen werden, sondern ebenso ein Nutzungskonzept für das gesamthaft betrachtete Gebäude entwickelt werden, mit dem sie in Verbindung steht. Im Idealfall wäre so durch die Entstehung von Synergieeffekten zwischen den verschiedenen Nutzungen eine städtebauliche Transformation möglich. Die aus der Analysearbeit hervorgegangenen Erkenntnisse hinsichtlich grosser Strukturen sollen in eigene visionäre Projekte entlang der Clarastrasse einfliessen. Wir wollen geeignete bestehende Grossstrukturen entlang dieser hochfrequentierten Achse suchen und identifizieren, welche dann durch eine Nutzungsänderung oder Ergänzung neu belebt werden können. Ein Schwimmbad von grosszügigem Aussmass bildet dafür die Grundlage.

Ein zweites Leben

Ganz im Sinne des Jahresthemas ‹Constructive Futures – Beyond Concrete› wollen wir uns in der Vorübung dieses Herbstsemesters mit der Wiederver- wendung bestehender Baumaterialien auseinandersetzen. Mit der geschosshohen Rampe, welche im Zuge der ‹Access for All›- Ausstellung an der Frontfassade des Schweizerischen Architekturmuseums angebracht wurde, steht das Baumaterial bereits zur Verfügung. Innerhalb einiger Wochen soll somit durch architektonisches Recycling mit geringem Aufwand und einigen Zusatzmitteln ein Projekt für einen Schattenplatz oder ein Aufenthaltsmöbel im Park des Hochschulcampus in Muttenz entstehen. Hierfür wird im Zuge der Vorübung ein Architekturwettbewerb veranstaltet. Das daraus hervorgehende Gewinnerprojekt soll im Frühjahrsemester 2022 gemeinsam realisiert werden und für die Architekturwoche 2022 als Auf- enthaltsort zur Nutzung und freien Bespielung zur Verfügung stehen.

Stadtbad Mitte, Berlin, Oloew, Schwimmbäder, Reimer Verlag Berlin
Intervention ‚Access for All‘, S AM 2021 Institut Architektur FHNW / Rahbaran Hürzeler Photo © Tom Bisig