Generierung strukturkonformer Testdaten für Dokumentvorlagen
Die Erstellung strukturkonformer Testdaten stellt in der Dokumententwicklung einen zeitaufwendiger und fehleranfälliger Prozess dar. Der Testdatengenerator automatisiert diesen Prozess, verbessert die Qualität der Testdaten und reduziert Fehlerquellen und Entwicklungsaufwand.
Ausgangslage
Die Schweizerische Mobiliar wurde 1826 als Genossenschaft gegründet und ist die älteste private Versicherungsgesellschaft der Schweiz. Mit über 2 Millionen Kundinnen und Kunden zählt sie zu den führenden Versicherungs- und Vorsorgeunternehmen des Landes. Jeder dritte Haushalt und jedes dritte Unternehmen ist bei der Mobiliar versichert. Jährlich werden über 8 Millionen Kunden- und Partnerkorrespondenzen per Brief, E-Mail, Kundenportal und SMS versendet. Die Basis dafür bilden 1200 Vorlagen, welche im Output Management der Mobiliar erstellt, verwaltet und gepflegt werden. Die Vorlagen unterliegen einem stetigen Wandel: fachliche, technische und juristische Anforderungen sowie Mobiliar-interne Vorgaben, z. B. CI/CD-Vorgaben der Markenführung, beeinflussen das Output Management stark.
Rund 50 Mitarbeitende der Mobiliar, aufgeteilt auf drei agile Teams, befassen sich mit dem Output Management. Davon arbeiten rund 20 Personen in der Vorlagenentwicklung. Fachspezialisten aus unterschiedlichen Bereichen der Mobiliar sind für den Inhalt der Dokumente zuständig, während das Output Management die technisch korrekte Umsetzung verantwortet.
Die Auswirkungen einer technisch fehlerhaften Umsetzung können unterschiedliche Ausmasse erreichen. Angefangen von Kundenreklamationen bis hin zu rechtlichen Folgen und Rufschädigung sind alle Stufen vorstellbar. Im hart umkämpften Versicherungsmarkt kann sich kein Unternehmen einen Vertrauensverlust seiner Kundschaft leisten. Gerade deshalb ist es essenziell, dass uns in der Vorlagenentwicklung Tools zur Verfügung stehen, die das Testen der technischen Umsetzungen erleichtern.
Die Idee des Testdatengenerators entstand im Jahr 2022, als im Rahmen der übergreifenden Mobiliar Cloud Strategie 2026 beschlossen wurde, den heutigen nicht-Cloud fähigen Formatierer durch einen Cloud fähigen Formatierer abzulösen. Nach einer ausgiebigen Marktstudie fiel die Wahl auf die Serie M/ von kwsoft.
Bereits zu Projektbeginn stellten die Vorlagenentwickler fest, dass das Erstellen von korrekten Testfällen ein hohes Verständnis des Formatierauftrags – eine JSON-Datei, welche variable Daten enthält, und aus einem Fachsystem eingeliefert wird – voraussetzt, fehleranfällig ist und viel Zeit in Anspruch nimmt. In der Startphase kam es zu häufigen Anpassungen am Formatierauftrag. Das hatte zur Folge, dass sämtliche Testfälle einzeln händisch überarbeitet werden mussten. Einerseits waren diese Anpassungen enorm zeitaufwändig, andererseits gerieten sie häufig in Vergessenheit. Das Resultat war ein langsames Vorankommen im Projekt und viele fehlerhafte Testfälle.
Während es vier Jahre nach Projektstart kaum noch Änderungen am Formatierauftrag gibt, bleiben die Aspekte Zeit, Komplexität und Korrektheit weiterhin wichtige Faktoren in der Dokumenterstellung. Gerade bei neuen, komplexen Vorlagen nimmt die Erstellung von Testfällen immer noch rund einen Fünftel der Gesamtumsetzungszeit in Anspruch.
Der Testdatengenerator soll den Vorlagenentwicklern die Möglichkeit bieten, ihre Testdaten einfach, variantenreich und automatisiert zu erstellen. Dadurch wird sich nicht nur die durchschnittliche Entwicklungszeit von Vorlagen verkürzen, sondern auch die Qualität der Testfälle verbessern.
Zielsetzung
Ziel dieser Bachelorarbeit ist die Konzeption und prototypische Umsetzung eines Eclipse-Plugins, das die Erstellung von Testfällen im Output Management durch automatisch generierte Testdaten unterstützt. Die Basis für das Plugin, auch Testdatengenerator genannt, soll dabei das Spezifikationskonzentrat bilden. Dabei sollen die in der Mobiliar vorhandenen Spezifikations- und Steuerungsdaten zusammenführt und in eine für die Testdatengenerierung nutzbare Form gebracht werden.
Aus dieser Zielsetzung ergibt sich folgende zentrale Forschungsfrage:
- Wie können die bestehenden Datenquellen "Use Case Versand durchführen" (UCVd), OMS-Steuerung und cWiki-Beschreibungen ausgelesen und in einem Spezifikationskonzentrat zusammengeführt werden, damit diese JSON-Datei als Grundlage für die Testdatengenerierung mittels Eclipse-Plugins genutzt werden kann?
Wizard Testdatengenerator
Der Wizard führt Vorlagenentwickler durch das Generieren von Testdaten. Die Auswahlmöglichkeiten werden aufgrund der bisherigen Eingaben aus dem Spezifikationskonzentrat ermittelt. Auf einer zweiten Seite kann der Entwickler weitere Einstellungen zur ausgewählten Korrespondenz tätigen.
Architektur Testdatengenerators
Die Spezifikation des Testdatengenerators besteht aus dem Spezifikationskonzentrat, den Fachdaten und Fachdatenblock Klassen. Diese werden aus Business-Dokumenten, interner API und cWiki Beschreibungen erstellt. Das Eclipse-Plugin generiert aus den Benutzereingaben und dem Spezifikationskonzentrat die Testdaten.
Aufbau einer Korrespondenz
Beispiel einer Korrespondenz mit mehreren Empfängern und Versandmethoden. Der Hauptempfänger erhält die beiden Dokumente als Brief zugestellt. Ein zweiter Empfänger erhält dieselben Dokumente als PDF-Kopie per Email zugestellt. Der Inhalt des Emails ist eine Begleitinformation. Zusätzlich erhält der Hauptempfänger die Rechnung direkt in sein eBill Portal.
Ergebnisse
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden drei Programme in Kotlin realisiert: ein Generator, welcher Fachdatentypen aus einer API ausliest und daraus Kotlin Enum Klassen erzeugt, ein Spezifikationsextraktor, der die Excel-Tabellen UCVd und OMS-Steuerung einliest und daraus ein Spezifikationskonzentrat generiert, sowie ein Eclipse-Plugin, welches den Testdaten Wizard bereitstellt.
Die Ergebnisse zeigen, dass durch die Zusammenführen der vorhandenen Spezifikationsquellen und deren Nutzen in einem Eclipse-Plugin die Erstellung von Testdaten weitgehend automatisiert werden kann. Daduch werden die Qualität der Testdaten verbessert, Fehlerquellen reduziert und Entwicklungsaufwände verringert. Die Arbeit legt einen funktionsfähigen Grundstein für eine weiterführende Automatisierung der Testdatengenerierung im Output Management.
Technische Schlüsselbegriffe
- FachdatentypenReferenzdaten zur einheitlichen Kommunikation, Datenkonsistenz und Interoperabilität in der gesamten Applikationslandschaft.
- Output Management Bezeichnet alle Prozesse und Systeme, die dafür sorgen, dass geschäftsrelevante Dokumente und Informationen korrekt, effizient und einheitlich aus Anwendungen an die richtigen Empfänger und Kanäle ausgegeben werden.
- Output Management System (OMS) Softwarelösungen, welche die Erstellung, Aufbereitung, Verteilung und Archivierung von Dokumenten und Informationen automatisiert. Ein OMS sorgt dafür, dass Daten aus Anwendungen wie ERP-, CRM- oder Fachsystemen automatisch in die passende Ausgabeform gebracht werden und anschliessend über den richtigen Kanal versendet werden.
Auftraggeberin

Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG
Tim Koster
Bundesgasse 35
3001 Bern
mobiliar.ch
Team
Christian Seiler
Betreuer
Dominik Gruntz
Daniel Kröni