Tandem im Museum: Digitaler Assistent und Indoor-Navigation für Storytelling in Museen

Wie ein sprach-/textbasierter Assistent und eine infrastrukturfrei funktionierende Indoor‑Navigation älteren und weniger technikaffinen Personen das Erzählen von Geschichten auf der TiM‑Plattform vereinfachen – validiert durch Analyse, Prototypen und Usability‑Tests.

TimTam App: Digitaler Assistent und Indoor-Navigation für
                        Storytelling in Museen

Ausgangslage

TiM (Tandem im Museum) verbindet Menschen über gemeinsam erfundene Geschichten zu Exponaten. Die aktuelle Webplattform wird jedoch häufig als komplex empfunden – besonders von älteren oder weniger technikaffinen Personen. Umfragen zeigten u. a. Hürden beim Hochladen (Bilder, Formulare), fehlende Orientierung im Museum und den Wunsch, Geschichten direkt vor Ort einfach per Sprache erfassen zu können.

Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist die Konzeption und Realisierung eines Proof‑of‑Concepts, der einen sprach‑/textbasierten Assistenten und eine ohne Zusatzhardware funktionierende Indoor‑Navigation in die TiM‑Plattform integriert. Dadurch sollen ältere und weniger technikaffine Personen direkt im Museum einfacher Geschichten erfassen, sich besser orientieren und geringere Einstiegshürden erleben. Die Lösung wird anhand von Analyse, Prototypen und Usability‑Tests hinsichtlich Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Akzeptanz bewertet. Zudem werden technische Machbarkeit (PDR‑basiertes Tracking) und seniorengerechte UX‑Leitlinien (klare Sprache, hoher Kontrast, grosse Bedienelemente) berücksichtigt.

Prototyp – Indoor-Kartenansicht mit Begleitsystem als Maskottchen

Eigener PDR-Algorithmus, inspiriert von einer RDPR-Publikation. Nutzt ausschliesslich Smartphone-Sensoren für Schritte, Richtung und Lage – in Echtzeit auf der Indoor-Karte, ganz ohne WLAN, GPS oder Beacons.

Muri – digitaler Assistent als Maskottchen
Mobile App - Darstellung der Indoor-Karte mit Begleitsystem

Am Exponat erinnert das Maskottchen freundlich. Besuchende sprechen ihre Geschichte ein oder tippen sie. Zusätzlich spricht das Maskottchen themenbezogene Hinweise aus und unterstützt so beim Geschichtenerzählen.

Muri - Der smarte Assistent mit Charakter

Begleitet Besuchende durch das Museum, gibt verständliche Hinweise und motiviert zum Erzählen von Geschichten. Unterstützt wahlweise per Sprache oder Text und sorgt für eine einfache, barrierearme Nutzung.

Ergebnisse

Die iterative Entwicklung (Analyse → LoFi‑Prototypen → PoC) und Tests mit der Zielgruppe zeigen: Der kombinierte Einsatz eines diskreten, sprach-/textbasierten Assistenten und einer infrastrukturfreien Indoor-Navigation verbessert Orientierung, Bedienbarkeit und Motivation zur Teilnahme.

  • Das Maskottchen 🐻 steigert die Motivation zur aktiven Teilnahme spürbar und senkt zugleich die Einstiegshürden.
  • Orientierung und Indoor-Karte 🗺️: Die Karte wurde als sehr geeignet empfunden; die Standortanzeige als sehr/eher hilfreich. Gewünscht werden zusätzliche POIs (WC, Garderobe, Cafeteria) und ein klareres Zeigersymbol.
  • Storytelling per Sprache wurde als sehr einfach und intuitiv bewertet. Text bleibt als Alternative.
  • Audio wird bevorzugt. Video-Uploads mehrheitlich abgelehnt (Datenschutz/Aufwand).
  • UX-Leitlinien für 60+ (Barrierefreiheit): Schriftgrössen und Bedienelemente als gut/sehr gut lesbar; die klare Sprache und das schrittweise Onboarding werden positiv hervorgehoben.
  • Infrastrukturfrei (PDR‑basiert) grundsätzlich machbar. Genauigkeit/Verzögerungen noch zu optimieren.
  • Trigger am Exponat steigert die Bereitschaft, direkt vor Ort Geschichten zu erfassen.
  • Transparenter Umgang mit Daten (z.B. Mikrofon-Einwilligung) stärkt Vertrauen.

Empfehlungen für zukünftige Entwicklungen

  • Feinschliff der Lokalisierungsgenauigkeit
  • Direkte Verknüpfung mit der TiM-Plattform
  • Einfügen eigener Inhalte für die Exponate, Vorschau sowie visuelle Raumkennzeichnungen (Icons)
  • Progressive Erweiterungen (Favoriten, Vorlesefunktion, Erweiterungsmöglichkeit an weitere Museen)
Testimonial
«Durch das Maskottchen fühlt man sich beim Besuch begleitet und geführt. Die Sprachaufnahme zum Erzählen ist sehr einfach.»
Feedback aus den Usability‑Tests

Technische Schlüsselbegriffe

  • Digitaler Assistent sprach‑/textbasiert durch ein Maskottchen (Muri)
  • Indoor‑Navigation infrastrukturfrei via IMU-Sensorik und PDR (Schritte + Heading)
  • PDR / RPDR eigensentwickelte schrittbasierte Lokalisierung; Drift-Minderung durch Sensorfusion und Bias-Korrektur
  • Angular + Ionic Angular/Ionic für Cross‑Platform‑Mobile‑App (UI‑Layer); verschiedene Angular‑Services für die PDR‑Logik.
  • Capacitor (Native Bridge im Moment mit Swift für iOS) Als native Bridge zur Nutzung gerätespezifischer Fähigkeiten und Berechtigungen; Erstellung der Custom‑Plugins für PDR, das IMU‑Sensordaten erfasst und vorverarbeitet (Bias‑Korrektur und Sensorfusion).
  • MapLibre GL, Turf.js Indoor-Kartendarstellung und Darstellung der Point of Interest (POIs: Ausstellungen, Treppe, etc.), Geo-Analyse für Bereichserkennung
  • OpenStreetMap (Indoor) GeoJSON-Datenbasis für Räume, Wege, POIs
  • JOSM
    (Java OpenStreetMap)
    Editor für Indoor-Kartierung/Definierung der POIs.
  • Python + Websocket Sensordatenübertragung an Grafana Visualisierung
  • Grafana/InfluxDB Visualisierung und Analyse der verarbeiteten Sensordaten und Verhalten der PDR-Algorithmus.

Kunde

TiM – Tandem im Museum stärkt das Miteinander, fördert Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Lebenswelten und gibt Zugang zu Kultur.
www.tim-tam.ch
www.mi-s.ch

Team

Studierende
Hanan Mufti
Antonia Rakaric