TimTam – Geschichten erfassen im Museum

Eine Progressive Web-App, mit der Freiwillige des Projekts «TiM – Tandem im Museum» ihre gemeinsam erfundenen Geschichten direkt vor Ort im Museum aufnehmen und veröffentlichen.

Ausgangslage

Das Projekt «TiM – Tandem im Museum» bringt Menschen aus unterschiedlichen sozialen Kontexten zusammen: Freiwillige, sogenannte TiMer:innen, besuchen gemeinsam mit einer Begleitperson ein Museum und erfinden dort zu einem Ausstellungsstück eine Geschichte. Diese Geschichten werden anschliessend auf der Plattform mi-s.ch veröffentlicht.

Die bestehende Plattform ist jedoch weder für den mobilen Gebrauch noch für technikferne Nutzende optimiert. Die Möglichkeiten moderner Mobilgeräte wie Kamera, Mikrofon und Standort bleiben ungenutzt, obwohl die Geschichte genau dort entsteht, wo das Smartphone ohnehin dabei ist: im Museum.

Zielsetzung

Ziel der Arbeit war eine mobile Anwendung, welche das Erfassen und Veröffentlichen von Geschichten direkt im Museum unterstützt und dabei die Gerätefunktionen nutzt, um den Ablauf zu vereinfachen statt ihn zu erschweren.

Im Mittelpunkt steht eine bewusst heterogene Zielgruppe. Primär richtet sich die Anwendung an technikferne ältere Erwachsene, ohne dabei technikaffine jüngere Nutzende zu vernachlässigen. Die Bedienung musste deshalb ohne Vorkenntnisse und ohne Anleitung möglich sein: visuelle Führung, klare Sprache, reduzierte Komplexität. Ergänzend galt, dass die neue Lösung die bestehende Plattform nicht ablöst, sondern ergänzt.

Umsetzung

Die Anwendung wurde als Progressive Web-App umgesetzt. Sie läuft plattformunabhängig im mobilen Browser. Die Installation auf dem Startbildschirm ist möglich, aber freiwillig. Sie verbessert den Zugang, ist aber keine Voraussetzung für die Nutzung.

Das Erfassen einer Geschichte erfolgt über einen geführten Ablauf in klar getrennten Schritten. Fotos werden direkt über die Gerätekamera aufgenommen, die Geschichte kann diktiert werden, und die Beschriftung des Ausstellungsobjekts lässt sich per Texterkennung aus einem Foto übernehmen. Über den Standort schlägt die Anwendung das nächstgelegene Museum vor. Ein Entwurf übersteht das Neuladen der Seite, und veröffentlicht werden kann erst, wenn alle Pflichtangaben vollständig sind.

Neben der Geschichtenerfassung deckt die Anwendung das Anlassmanagement ab. Anlässe durchlaufen einen rollenbasierten Freigabeprozess von der Erfassung über die Prüfung bis zur Veröffentlichung oder Zurückweisung. Beteiligte werden per E-Mail über Statuswechsel informiert. Veröffentlichte Geschichten werden auf den bestehenden Datenbestand der Plattform gespiegelt, sodass die bisherige Anwendung unverändert im Betrieb bleiben kann.

Die Oberfläche liegt vollständig in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch vor. Die Vollständigkeit der Übersetzungen wird automatisiert in der Pipeline geprüft, ebenso die Farbkontraste des Farbschemas.

Startseite

Startseite der App mit der Schaltfläche zum Erfassen einer neuen Geschichte

Der Einstieg führt direkt zur wichtigsten Handlung: ein neues Tandem starten.

Geschichte erfassen

Geführter Erfassungsablauf mit Fortschrittsanzeige über mehrere Schritte

Der Ablauf ist in klar getrennte Schritte gegliedert, der Entwurf bleibt jederzeit erhalten.

Diktieren und OCR

Diktierfunktion für den Geschichtentext und Texterkennung der Objektbeschriftung

Text kann diktiert werden, die Objektbeschriftung wird aus einem Foto ausgelesen.

Kernfunktionen

  • Geführte Erfassung einer Geschichte mit Objektfoto und Selfie
  • Diktierfunktion für den Geschichtentext (Speech-to-Text)
  • Texterkennung (OCR) für die Angaben zum Ausstellungsobjekt
  • Automatischer Museumsvorschlag über den Gerätestandort
  • Passwortlose Anmeldung per SMS-Einmalcode
  • Anlasserfassung mit rollenbasiertem Freigabeprozess
  • Mehrsprachige Oberfläche in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch
  • Teilen eines Beitrags über die native Teilen-Funktion des Geräts
  • Spiegelung veröffentlichter Geschichten auf die bestehende Plattform

Ergebnisse

Alle Anforderungen der Priorität «Muss» und «Soll» wurden umgesetzt. Nicht umgesetzt wurde einzig die direkte Anmeldung an einen Anlass aus der Anwendung heraus, eine «Kann»-Anforderung. Die Anwendung wurde im Juli 2026 auf die Zielumgebung ausgeliefert und steht der Auftraggeberin zur Verfügung.

Zur Überprüfung der Bedienbarkeit wurde ein Usability-Test im Labor mit fünf Testpersonen zwischen 23 und 80 Jahren durchgeführt, gemischt aus technikfernen, neutralen und technikaffinen Personen. Von 24 bearbeiteten Aufgaben wurden 21 selbständig gelöst, die übrigen drei mit einer eingrenzenden Hilfestellung. Keine Aufgabe blieb ungelöst. Alle fünf Testpersonen schlossen die Kernaufgabe, eine Geschichte vollständig erfassen und veröffentlichen, ab.

Die Qualitätssicherung stützt sich auf statische Analyse, eine blockierende CI-Pipeline aus Linting, Tests und Build sowie automatisierte Tests auf Backend- und Frontend-Seite.

Ausblick

Ein Feldtest mit TiMer:innen im echten Nutzungskontext konnte im Projektzeitraum nicht mehr durchgeführt werden und bleibt der anschliessenden Testphase vorbehalten. Die im Usability-Test gesammelte Problemliste hält zudem jene Verbesserungsvorschläge fest, die bewusst nicht mehr umgesetzt wurden, und dient damit als Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung.

Testimonial
Die im Projekt entwickelte Anwendung stellt die Bedürfnisse der TiMer:innen in den Vordergrund. Das Resultat ist sehr gut. Ausschlaggebend waren früh sichtbare Teilergebnisse, die zügige Konkretisierung der Ziele und ein strukturiertes Vorgehen. Der Bedarf nach einer solchen Lösung besteht bei uns schon länger, entsprechend hoch sind die Erwartungen. Ich gehe davon aus, dass die Anwendung gerne genutzt wird.
Jowita Jaskiewicz, Auftraggeberin, TiM – Tandem im Museum

Technische Schlüsselbegriffe

  • FrontendReact 19, TypeScript, Vite
  • BackendPHP 8.3, Slim Framework, PDO
  • DatenbankMySQL
  • SchnittstelleREST, OpenAPI mit generierten Typen
  • PlattformProgressive Web App, Service Worker, Web App Manifest
  • GerätefunktionenKamera, Geolocation, Web Speech API
  • DrittdiensteGoogle Cloud Vision (OCR), SMS-Versand, SMTP
  • QualitätssicherungPHPUnit, Vitest, Mock Service Worker, ESLint, PHPStan
  • BetriebGitLab CI, Hostpoint

Kund:in

TiM – Tandem im Museum

TiM – Tandem im Museum
Jowita Jaskiewicz
Gloriastrasse 73
8044 Zürich
www.tim-tam.ch

Team

Fabian Bähler
Yanik Hofmann

Betreuung
Prof. Dr. Norbert Seyff
Dr. Nitish Patkar

Institut
Institut für Interaktive Technologien

Projekt
IP5, Studiengang Informatik
Februar bis August 2026