HAUS

Wohnen Dazwischen

Bis 1825, als mit der Gründung einer Papierfabrik die Industrialisierung einsetzte, war das Dorf Oftringen von Landwirtschaft und Kleingewerbe geprägt. Nach der Eröffnung der Eisenbahnlinien ab Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich weitere Industriebetriebe an. Das stetige Wachstum der Gemeinde erreichte in den Boomjahren der Nachkriegszeit einen Höhepunkt, nicht zuletzt durch den Bau der Autobahnen im Jahr 1967. Die Zahl der Beschäftigten in Oftringen hat sich seither verdreifacht und auch die Bevölkerung ist kontinuierlich gewachsen. Mit gut 15’000 Einwohnenden ist Oftringen heute die fünftgrösste Gemeinde im Kanton Aargau. Prognosen gehen davon aus, dass es bis zum Jahr 2040 rund 20’000 Personen sein werden.

Dieses dynamische Wachstum, das viele Agglomerationsgemeinden kennen, bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Semesters. Die Ausgangslage in Oftringen ist die im letzten Jahr erfolgreich durchgeführte Revision der Nutzungsplanung. Weitere Anhaltspunkte liefert der ‹Aktionsplan Wohnraumknappheit›, der vom Bundesrat initiiert und im Februar 2024 publiziert wurde. Darin haben Arbeitsgruppen mit Vertretenden aus den drei Staatsebenen und verschiedene Fachverbände Lösungsansätze zur Erhöhung des Wohnungsangebots formuliert.

Von den über 30 vorgeschlagenen Massnahmen sind die Empfehlungen aus zwei der drei Themenbereiche von besonderem Interesse: Im ersten Bereich (A) liegt der Fokus auf der Erleichterung und qualitativen Umsetzung der Innenentwicklung, u.a. durch eine höhere Durchmischung von Arbeits- und Wohnzonen. Der letzte Bereich (C) widmet sich der Förderung von preisgünstigem Wohnraum, z. B. durch die Festlegung eines Mindestanteils bei Aufzonungen oder Zulassung von Wohnnutzung in Gewerbezonen. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Vereinfachung der Baustandards, um Anreize für einfaches und kostengünstiges (Um-)Bauen zu schaffen.

Diese zukunftsweisenden Hinweise dienen als Grundlage für die aktuelle Entwurfsaufgabe: eine Wohnnutzung in einer bestehenden Gewerbeanlage. Ziel des Semesters ist die Entwicklung beispielhafter Projekte für die Transformation grossflächiger Strukturen, wie sie für Agglomerationen typisch sind.

 

Fokusprojekt 1:

Licht und Dichte

Der Ort unserer Intervention liegt im Süden von Oftringen, zwischen der Autobahn und der Bahnlinie. Hier, am Ufer des Mühletychs, entstand die erste Papiermühle und später eine Papierfabrik. Der historische Gewerbe- und Bewässerungskanal wurde verlegt und verläuft nun am Rande des ausgewählten Perimeters. Heute befindet sich auf dem Gelände ein Logistikzentrum der internationalen Firmengruppe Fiege. Seit einigen Jahren laufen Bestrebungen, das Zentrum rund um den Kreuzplatz räumlich und in Bezug auf die Nutzung aufzuwerten. Dazu gehört auch eine neue Haltestelle der SBB, die im Dreieck zwischen Bernstrasse, Industriestrasse und Gleisen liegen wird. Mit der neuen Anbindung an den öffentlichen Verkehr wird auch das Areal rund um die zu planende Wohnnutzung wesentlich attraktiver. Der neue Zonenplan sieht deshalb vor, dass hier in Zukunft keine Logistiknutzungen mehr zulässig sind.

Für unsere Semesterarbeit nutzen wir diese Erkenntnisse und wandeln die Arbeitszone 2 in eine Mischzone um. So soll das vorhandene Gebäude zu einem Hybrid aus Gewerbe und Wohnen umgebaut werden. Neben einer nutzungsneutralen Fläche für das lokale Kleingewerbe sind vielfältige Wohneinheiten für verschiedene Altersgruppen zu entwickeln. Zu Beginn des Semesters stehen Fragen zur Anordnung der beiden Nutzungen im Vordergrund. Dabei sind Themen wie Grad an Öffentlichkeit, Adressierung oder Orientierung entscheidend. Eine interessante Frage betrifft auch die grossflächige Ausdehnung der bestehenden Anlage. Faktoren wie Volumetrie und Höhenentwicklung sowie Porosität sind daher ebenso relevant. Im ersten Fokusprojekt werden wir uns entsprechend intensiv mit den Lichtverhältnissen auseinandersetzen.

Abgabe als Einzel- und Gruppenarbeit

  • Umgang mit Bestand: Analysen, Kontext,
  • Konzept der Nutzung: Verteilung, räumliche Anordnung, Referenzen
  • Thema der Dichte: Volumenvarianten, Belichtungsstudien, Arbeitsmodelle

 

Fokusprojekt 2:

Struktur und Material

Das bestehende Logistikzentrum wurde vor rund 20 Jahren erstellt. Es handelt sich um ein Hochregallager mit einer Höhe von 14 m und einer Fläche von gut 33’000 m2. An der Westseite befinden sich auch ein zweigeschossiger Bürobereich und eine Tiefgarage mit 68 Parkplätzen. Die Konstruktion des Gebäudes ist einfach und besteht aus einer Hülle aus Stahlträgern und Metallelementen sowie Stützen aus Beton. Mit seinen Dimensionen und seinem regelmässigen Raster ist das Tragwerk sowohl für gewerbliche als auch für Wohnnutzungen sehr gut geeignet. Im Sinne einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft ist auch die Wiederverwendung von möglichst vielen der restlichen Bauteile anzustreben.

Zur Schaffung eines zukunftsfähigen Standortes sollen flexibel unterteilbare Flächen für gewerbliche Nutzungen zur Verfügung gestellt werden. Deren Grösse und Anordnung ist jedoch abhängig vom Konzept der begleitenden Wohnnutzung. Auch hier sind zukunftsweisende Typologien gefragt, die sich für unterschiedliche Lebensformen und -phasen eignen. Ein Angebot an preisgünstigem Wohnraum ist ebenfalls zu berücksichtigen, auch im Hinblick auf eine möglichst hohe Diversität der zukünftigen Bewohnerschaft. Intelligente Überlegungen zur Flächennutzung in der Entwurfsphase sind daher ebenso relevant wie die Wahl einer geeigneten Konstruktion. Genauso wichtig sind aber auch eine klare Haltung und konkrete Vorstellungen zum Thema Wohnen. Ziel ist es schliesslich, spezifische Projekte für attraktives Wohnen in der Agglomeration zu entwickeln.

Abgabe als Einzelarbeit

  • Konzept; Diagramme, Erläuterungen
  • Projekt- und Konstruktionspläne, 1:500 / 1:200 / 1:100 / 1:20
  • Modelle, 1:50 / 1:20
Logistikzentrum Fiege, Oftringen